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Size doesn’t matter – oder vielleicht doch?

Nikon, Canon, Fujifilm oder doch Sony? Kein Thema ist streitbarer als die Wahl der vermeintlich richtigen Kamera. Du kennst das bestimmt auch. Vor jeder Neuanschaffung kämpft man sich durch diverse Foren und Kameratests, um am Ende dann das vermeintlich perfekte Kameramodell gefunden zu haben. Doch sollst Du am Ende immer die teuerste Kamera und den größten Sensor kaufen?* Ich werde oft gefragt, was für eine Kamera ich empfehlen würde. Meine Antwort ist bei jedem Mal: Kommt darauf an, was das Einsatzgebiet ist. Im folgenden Artikel wirst Du lesen, was ich damit meine.

Der Fotosensor vs. Megapixel

Die Kamerahersteller werben oft mit hohen Megapixel-Werten und großen Kamerasensoren. Um beim Kamerakauf jedes Modell besser bewerten zu können, solltest Du wissen, was es mit diesen Werten auf sich hat. Denn eines kann ich Dir an dieser Stelle bereits verraten: Es muss nicht immer Vollformat sein.

Der Sensor

Mittlerweile gibt es viele unterschiedliche Kamerasensoren, deren Größe in Zoll angegeben wird. Je größer der Sensor, desto größer ist in der Theorie die Bildqualität. Dazu musst Du aber wissen, dass andere Faktoren die Bildqualität entscheidend beeinflussen. So können beispielsweise topaktuelle APS-C Sensoren bis zu einem gewissen ISO-Wert einem Vollformatsensor durchaus ebenbürtig sein. Grundsätzlich sind größere Sensoren immer lichtempfindlicher. Allerdings ist die Lichtempfindlichkeit natürlich auch immer abhängig vom gewählten Objektiv. Der Vorteil von kleineren Sensoren ist zum einen die kompakteren und leichteren Baumaße von Kamera und Objektiv und natürlich auch der Preis. Außerdem gibt es durchaus Szenarien, bei denen eine Kamera mit Crop-Faktor das erste Mittel der Wahl ist.

Vergleich der Sensorgrößen: Vom Smartphone bis zum Mittelformat

Quelle: Adobe Stock & 0711bilder

Die Megapixel

Neben dem Sensor wird häufig auch ein möglichst hoher Megapixel-Wert als Kaufargument angepriesen. Aber ist das wirklich so? Dazu musst Du wissen, dass ein jeder Kamerasensor neben einer bestimmten Größe auch mit einer bestimmten Auflösung produziert wird. Diese Auflösung wird dann in Megapixeln angegeben. In der Praxis bedeutet das allerdings, dass beispielsweise ein APS-C-Sensor zwar kleiner gebaut wird, aber die gleiche Auflösung (=Anzahl an Megapixeln) enthält als der größere Vollformatsensor. Die Auflösung der Bilder und damit auch die Abmessungen Deiner Bilddatei sind bei beiden Kameras identisch. Allerdings sind die einzelnen Pixel (bei gleicher Anzahl) auf einem größeren Sensor logischerweise größer, was eine höhere Lichtstärke und rauschärmere Bilder zur Folge hat. Das bedeutet also, dass Dein 50 Megapixel-Smartphone mit kleinem Sensor vor allem bei Lowlight deutlich schlechtere Bilder produzieren wird als eine APS-Kamera mit 25 Megapixel.

An welcher Stelle macht eine höhere Megapixel-Anzahl Sinn? Vor allem, wenn Du sehr große Formate drucken willst brauchst Du eine höhere Auflösung und damit auch mehr Megapixel. Ich fotografiere zum Beispiel Motive, die ein Kunde auf eine Messewand oder LKW drucken möchte. Dafür benötige ich eine höhere Auflösung. Auch beim Thema Croppen verliert man bei einer höheren Auflösung natürlich weniger Bildqualität. Grundsätzlich solltest Du Deine Kaufentscheidung aber nicht von Sensorgröße oder Megapixel abhängig machen, sondern vom Einsatzgebiet.

Der Crop-Fakor

Spätestens, wenn Du Dich mit dem Thema Objektive beschäftigst, wirst Du zwangsläufig auf Begriffe wie Brennweite, Lichtstärke und auch dem ominösen Crop-Faktor stoßen. Die Brennweite gibt dabei die Entfernung vom Bildsensor zur Objektiv-Hauptebene an und wird in Millimeter angegeben. Hier gilt: Je größer die Brennweite, desto enger ist der Bildausschnitt. An dieser Stelle kommt nun der Crop-Faktor ins Spiel. Denn die Brennweite jedes Objektivs ist für einen Vollformatsensor (auch als „Kleinbild bzw. KB“ bezeichnet) gerechnet. Dazu musst Du wissen, dass der Bildkreis jedes Objektivs mindestens den Kamerasensor abdecken muss. Aus diesem Grund können MFT-Objektive deutlich kleiner produziert werden als Ihre Vollformat-Pendants.

Um nun die einzelnen Brennweiten und damit auch die Bildwirkung vergleichen zu können, kannst Du mit dem Crop-Faktor die Millimeter-Angaben umrechnen. Bei einem MFT-Sensor ist das beispielsweise der Faktor 2. Zum besseren Verständnis habe ich Dir ein paar Beispiele angefügt:

  • Eine 50 mm-Festbrennweite hat an einer Vollformatkamera die Brennweite von 50 mm und an einer MFT-Kamera von 100 mm
  • Ein 16-55 mm Zoomobjektiv an einer APCS-Kamera (Crop-Faktor je nach Hersteller von 1,5 oder 1,6) hat umgerechnet eine Brennweite von 24-82,5 mm
  • Meine Fujifilm-Mittelformat-Kamera hat einen Crop-Faktor von ca. 0,79. Das bedeutet, dass meine 23 mm Festbrennweite einer Brennweite von 18 mm gerechnet auf Kleinbild besitzt.

Wie Du siehst, ist nicht immer der größere Sensor die bessere Wahl. Nehmen wird als Beispiel einen Wildlife-Fotografen*, der sehr viel mit langen Teleobjektiven fotografieren muss. Für diese Art der Fotografie eignet sich eine APS-C- oder auch eine MFT-Kamera unter Umständen besser als ein Vollformat-Modell. Denn eine Brennweite von 500 mm haben an einer APSC-Kamera eine Bildwirkung von ca. 750 mm. Das bedeutet, dass der Bildausschnitt bei identischer Brennweite und Megapixel-Anzahl deutlich enger ausfällt und das Motiv dadurch viel „näher“ abgebildet wird.

Was für eine Kamera sollst Du kaufen
Der Bildausschnitt je nach Sensorgröße

Die Abhängigkeit von Blende und Crop-Faktor

Neben der Brennweite ist auch noch die Tiefenschärfe abhängig von der Sensorgröße. Je weiter Du die Blende an Deinem Objektiv öffnest, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Du kennst das sicherlich zum Beispiel von Porträt-Aufnahmen. Hier lenkt man das Hauptaugenmerk auf die Person im Vordergrund, indem man den Hintergrund unscharf abbildet – das sogenannte Bokeh.

Jedes Objektiv wird daher mit einer maximalen Blendenöffnung konstruiert und angegeben. So kannst Du mit einem 50 mm F 1.4 Objektiv mit maximaler Blende 1.4 fotografieren. Um die Tiefenschärfe an den jeweiligen Sensoren vergleichen zu können, musst Du nun die Blendenzahl wieder mit dem Crop-Faktor multiplizieren. In unseren Beispielen sieht das dann wie folgt aus:

  • An einer MFT-Kamera würde ein Bild, das mit Blende 1.4 aufgenommen ist, die gleiche Tiefenunschärfe besitzen, wie Blende 2.8 an Vollformat mit identischer Brennweite
  • Rechnet man das Gleich für eine APSC-Kamera, wäre die Tiefenwirkung auf dem Motiv vergleichbar mit Blende 2.0
  • Bei meiner Mittelformatkamera hingegen wäre die Tiefenschärfe vergleichbar mit Blende 1.0 – zumindest in der Theorie. Meines Wissens gibt es kein derart lichtstarkes Objektiv für das System auf dem Markt

Wichtig an dieser Stelle: Mit dem Crop-Faktor kannst Du nur die Tiefenschärfe bzw. Tiefenwirkung im Motiv umrechnen. Nicht die Lichtstärke. Ein Objektiv mit Lichtstärke 1.4 hat sowohl an einem Vollformat- als auch an einem MFT-Sensor immer die gleiche Lichtstärke.

Du willst eine Kamera kaufen?* Die Kamera ist das Werkzeug

Nicht die Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf dahinter. Darum wirst Du mit einer „besseren“ Kamera nicht zwangsläufig bessere Bilder machen. Selbst mit einem Smartphone kannst Du mittlerweile ordentliche Bilder machen. Wichtig ist die Bildidee, das Composing, das Licht und natürlich auch das Motiv.

Vor allem solltest Du Dir vor jedem Kauf aber überlegen, welche Art von Fotografie Du betreiben möchtest. Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Kameraarten auf dem Markt. Dabei ist die Sensorgröße und Auflösung nicht abhängig von der jeweiligen Klassen. So gibt es beispielsweise auch Premium-Kompaktkameras mit Vollformatsensor.

  • Kompaktkameras mit fest verbautem Objektiv
  • Bridge- und Superzoom-Kameras
  • Die klassische Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven
  • Spiegellose Systemkameras

Perfekt für Reisen und Streetfotografie: Die Kompaktkamera*

Die klassische Kompaktkamera mit kleinem Sensor stirbt aus. Kein Wunder: Mittlerweile kannst Du mit einem Smartphone bessere Bilder aufnehmen als mit einer günstigen Kompaktkamera. Im Bereich der Premium-Kompaktkameras gibt es mittlerweile aber einige spannende Modelle. Viele dieser Kameras sind mit großen Sensoren und lichtstarken Objektiven ausgestattet und können von der Bildqualität problemlos mit Spiegelreflex- und spiegellosen System-Kameras mithalten. Vorteil dieser Systeme: Die kompakte Bauart.

Für wen ist eine Kompaktkamera geeignet?

Wenn Du ein kompaktes System für Städtetrips oder als „Immerdabei-Kamera*“ suchst, ist eine Premium-Kompaktkamera das perfekte Modell für Dich. Das Objektiv lässt sich bei diesen Kameras allerdings nicht wechseln. Beim Hersteller Fujifilm kannst Du allerdings mithilfe von Telekonvertern die Brennweite ändern. Vor allem bei Modellen mit großem APS-C-Sensor kannst Du mit einer Premium-Kompaktkamera durchaus die Bildqualität von Spiegelreflex- und spiegellosen Kameras erreichen.

Meine persönliche Empfehlung

Ich hatte bis vor kurzem noch eine Fujifilm X100F als kompakte Kamera für Städtetrips im Einsatz. Von Verarbeitung über Bildqualität bis hin zum Handling kann ich diese Kamera bzw. auch den Nachfolger ohne Einschränkung empfehlen. Als günstige Alternative haben auch Sony, Panasonic und Canon sehr gute Modelle auf dem Markt.

Vermeintlicher Alleskönner? Die Bridge-Kamera

Fans von Bridge-Kameras schätzen vor allem den flexiblen Einsatzbereich dieser Modelle. Dank eines festverbauten Objektivs mit sehr hohem Zoombereich versuchen Bridge-Kameras eine Brücke zwischen Kompakt- und Systemkameras zu schlagen. Bei vielen dieser Kameras sind die Zoombereich dabei deutlich höher als bei einem Wechselobjektiv. Allerdings immer zulasten der Bildqualität.

Für wen ist eine Bridge-Kamera geeignet?

Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund für den Kauf eines solchen Systems. Modelle mit guter Bildqualität liegen preislich im Bereich einer spiegellosen Systemkamera mit Kitobjektiv*, die in diesem Fall immer meine erste Wahl wäre.

Der Klassiker: Die Spiegelreflex-Kamera*

Die klassische Spiegelreflex-Kamera gibt es für jeden Einsatzbereich. Charakteristisch für diese Systeme ist der hochklappbare Spiegel zwischen Objektiv und Bildebene. Selbstverständlich kannst Du bei diesen Kameras das Objektiv wechseln* und bis daher für jede Situation gerüstet. Im Gegensatz zur spiegellosen Systemkamera haben Spiegelreflexkameras einen optischen Sucher. Das kann vor allem bei Dunkelheit oder der Blitzfotografie ein Vorteil sein. Auch in Sachen Geschwindigkeit haben einige Kameramodelle mit Spiegel gegenüber den Systemkameras noch die Nase vorn. Ein weiterer Vorteil dieses Systems ist der recht moderate Akkuverbrauch. Bauartbedingt sind sogenannte DSLR-Kameras schwere und größer als Modelle ohne Spiegel.

Für wen ist eine Spiegelreflex-Kamera geeignet?

Ich persönlich würde nur noch eine spiegellose Kamera kaufen. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass ich die Vorteile einer Spiegelreflex-Kamera* nicht benötige. Solltest Du großen Wert auf eine extrem hohe Geschwindigkeit bei Serienaufnahmen legen ist eine DSLR* das System Deiner Wahl. Für Einsteiger gibt es zudem diverse günstige Modelle mit APSC-Sensor auf dem Markt, die mit sehr guter Bildqualität punkten können. Auch ein Blick auf ältere Modelle auf dem Gebrauchtmarkt kann sich lohnen.

Meine persönliche Empfehlung

Meine ersten Bilder haben ich mit einer Nikon D5100 aufgenommen bevor ich das Modell dann durch die leistungsfähigere D7200 ersetzt habe. Beide Modellreihen kann ich empfehlen. Sowohl Nikon als auch Canon sind Marktführer in diesem Bereich und können auf lange Erfahrungen zurückgreifen. Für welchen Hersteller Du Dich letztendlich entscheidest, ist Geschmacksache. Auch bei der Wahl der Sensorgröße hast Du die Wahl zwischen APS-C und Vollformat – je nach Einsatzgebiet.

Die neue Generation: Spiegellose Systemkameras*

Spiegellose Systemkameras* sind die Weiterentwicklung der Spiegelreflexkamera. Dabei liegt der Hauptunterschied im fehlenden Spiegel. Der Bildsensor sitzt bei diesen Modellen direkt hinter dem Objektiv. Dadurch reduziert können deutlich leichtere und kompaktere Kamerabodys produziert werden. Dank des digitalen Suchers kannst Du Dir außerdem auch gleich das „fertige Bild“ in der Kamera anzeigen lassen. Ansonsten stehen diese Kameras in Sachen Bildqualität in nichts nach. Neben APSC- und Vollformat-Sensor kannst Du Dich bei Systemkameras auch für Modelle mit MFT- oder Mittelformat-Sensor entscheiden.

Für wen ist eine Spiegelose Systemkamera geeignet?

Wenn Du die Vorteile einer DSLR nicht benötigst und eine Kamera mit Wechselobjektiv* suchst, würde ich Dir immer zum Kauf einer spiegellosen Systemkamera* raten. Die Zukunft liegt bei Kameras ohne Spiegel. Du willst neben dem Fotografieren auch noch filmen? Dann führt kein Weg an diesem System vorbei. Viele Hersteller haben mittlerweile professionelle Videofeatures in ihre Modelle verbaut, sodass Du neben hochaufgelösten Bilder in 4K filmen kannst.

Meine persönliche Empfehlung

Ich habe aktuell eine Fujifilm GFX 50R* im Einsatz und kann Dir diese Kamera wärmstens empfehlen, wenn Du auf der Suche nach einer Mittelformatkamera bist. Im APS-C-Bereich hatte ich neben einer Fujifilm X-T3* auch eine Sony A6000 im Einsatz. Vor allem für Einsteiger ist das Sony-Modell eine interessante Kamera. Vor allem Sony, Fujifilm und auch Panasonic gehören zu den Pionieren im spiegellosen Bereich und haben viele hervorragende Modelle auf dem Markt.

Unverzichtbar: Das Objektiv

Egal für welches Kameramodell Du Dich entscheidest – ohne ein passendes Objektiv* wirst Du keine hochwertigen Bilder aufnehmen können. Ich würde sogar behaupten, dass die Wahl des Objektivs* wichtiger ist als die Wahl des Kamerabodys. Du kannst Dir die teuerste und vermeintlich beste Kamera kaufen – wenn Du ein Objektiv mit schlechter Abbildungsqualität verwendest, werden Deine Bilder auch keine gute Qualität haben.

Welche Kamera für welchen Einsatz kaufen?

Wie bereits erwähnt, hängt die Wahl des Modells meiner Meinung nach von Deiner Art der Fotografie ab. Ich halte nichts von den Aussagen, dass nur Vollformat-Kameras für den professionellen Einsatz geeignet sind. In meiner professionelle Videokamera* sitzt zum Beispiel „nur“ ein MFT-Sensor. Auch in Sachen Bildrauschen hat sich bei kleinen Sensoren einiges getan. Aus diesem Grund kannst Du auch problemlos eine APS-C-Kamera verwenden, um hochwertige Bilder aufzunehmen.

Die beste Kamera 2020

Ganz wichtig: Lass‘ Dich nicht verrückt machen. Kaufe das Modell, das Du am besten bedienen kannst, das Dir am besten gefällt und das am besten ins Budget passt. Neben dem Body solltest Du auf jeden Fall noch Budget für Objektive einplanen. Darum gibt es keine pauschale Aussage, welches die beste Kamera für Dich ist. Alles andere wäre Marketing.

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